Übergewicht erhöht das Krebsrisiko

Übergewicht: Ernstzunehmender Risikofaktor bei einer Vielzahl an Krebserkrankungen

Übergewicht und insbesondere Fettleibigkeit (Adipositas) sowie die damit einhergehenden Stoffwechselstörungen sind ernstzunehmende Risikofaktoren bei einer Vielzahl an Krebserkrankungen. Darauf weist das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) hin.

Wie das DKFZ in einer aktuellen Mitteilung schreibt, macht der „World Obesity Day“ am 4. März auf das weltweit verbreitete Problem des schweren Übergewichts aufmerksam. Angesichts des Aktionstags betonen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem DKFZ die Bedeutung von Übergewicht für das Risiko, an Krebs zu erkranken. Vor allem die zunehmende Fettleibigkeit (Adipositas) in der frühen Kindheit erfordert dringend präventive Maßnahmen.

Nicht zu unterschätzender Krebsrisikofaktor

Viele Menschen reduzieren die negativen Auswirkungen von starkem Übergewicht auf rein ästhetische oder gar modische Gesichtspunkte. Die damit einhergehenden schwerwiegenden gesundheitlichen Auswirkungen werden häufig wenig ernst genommen.

Dass Fettleibigkeit, medizinisch „Adipositas“ genannt, außerdem ein nicht zu unterschätzender Krebsrisikofaktor ist, ist oft nicht mal bekannt.

Dass starkes Übergewicht Krebserkrankungen auslösen kann, konnte in zahlreichen Studien gezeigt werden.

So berichteten Forschende des Aarhus University Hospital in Dänemark vor kurzem in der Fachzeitschrift „Journal of Internal Medicine“, dass übergewichtige und adipöse Menschen ein höheres Risiko für verschiedene weitverbreitete Krebsarten wie Bauchspeicheldrüsenkrebs und postmenopausaler Brustkrebs haben.

Und laut einer britischen Studie steigt durch starkes Übergewicht das Risiko für mindestens 13 verschiedene Krebsarten, darunter Brust- und Darmkrebs.

Jedes Jahr erkranken 30.000 Deutsche bedingt durch ihr Übergewicht an Krebs

DKFZ-Epidemiologen um Ute Mons und Hermann Brenner haben 2018 in einer Studie berechnet, wie viele Krebsfälle in Deutschland tatsächlich auf die einzelnen Risikofaktoren zurückzuführen sind.

Dabei kamen die Fachleute zu dem Ergebnis, dass allein 6,9 Prozent der Krebsneuerkrankungen auf das Konto des Übergewichts gehen. Das bedeutet, dass jedes Jahr rund 30.000 Deutsche bedingt durch ihr Übergewicht an Krebs erkranken.

Die Studie wurde im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht.

Zusammenhang von Dosis und Wirkung

Brustkrebs nach den Wechseljahren, Darm- und Enddarmkrebs, Gebärmutterkrebs (Endometriumkarzinom), Speiseröhrenkrebs sowie Nierenzellkrebs treten bei adipösen Menschen erheblich häufiger auf als bei Normalgewichtigen, wie die Expertinnen und Experten der internationalen Krebsforschungsagentur in Lyon (IARC) 2016 im „New England Journal of Medicine“ berichteten.

Außerdem erkranken fettleibige Menschen häufiger an Leber- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs, an Eierstockkrebs oder an einem Multiplen Myelom. Die Studiendaten weisen auf einen Zusammenhang von Dosis und Wirkung: Je stärker ausgeprägt die Adipositas ist, desto höher das Krebsrisiko.

Allerdings spielt das Übergewicht nicht bei allen Krebsarten die gleiche Rolle: Bei Gebärmutter- und Nierenkrebs oder bei Adenokarzinomen der Speiseröhre ist fast die Hälfte aller Fälle durch Fettleibigkeit bedingt.

Fettleibigkeit hat ihren Ursprung häufig schon in der frühen Kindheit

Zudem gibt Rudolf Kaaks, ebenfalls Epidemiologe am DKFZ, zu bedenken: „Insbesondere das viszerale Fett, also das ungesunde Bauchfett, ist der Krebstreiber, nicht so sehr die Fettpölsterchen an Po und Beinen. Deshalb haben oftmals auch Personen, die eigentlich als schlank durchgehen, ein erhöhtes Krebsrisiko, ohne etwas davon zu ahnen.“

Besonders besorgt die Fachleute, dass der Risikofaktor Adipositas seinen Ursprung oft schon in der frühen Kindheit hat:

„Es ist zu erwarten, dass 2022 weltweit mehr adipöse als untergewichtige 5- bis 19-Jährige leben werden. Innerhalb von nur 40 Jahren, zwischen 1975 und 2016, ist die Rate fettleibiger Kinder von unter einem Prozent auf annähernd sechs Prozent bei Mädchen sowie fast acht Prozent bei Jungen gestiegen“, erläutert Hermann Brenner und bezieht sich auf eine internationale Untersuchung, die in dem Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlicht wurde.

Demnach haben sich Kinder und Heranwachsende in vielen Teilen der Welt sehr schnell von der untergewichtigsten zur übergewichtigsten Bevölkerungsgruppe entwickelt. Die Autorinnen und Autoren gehen davon aus, dass dies vor allem mit dem Konsum von Lebensmitteln mit hoher Energiedichte zusammenhängt, etwa stark verarbeiteten Kohlenhydraten.
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Überflüssige Pfunde sollen sich gar nicht erst ansammeln

Hier sieht Brenner, der an der internationalen Untersuchung beteiligt war, erheblichen Handlungsbedarf für die Politik:

„Präventiven Maßnahmen sollte höchste Priorität eingeräumt werden. So könnten eine einfache Kennzeichnung der Lebensmittel und eine gesundheitsförderliche Preispolitik, etwa durch gestaffelte Mehrwertsteuersätze, wichtige Anreize für eine gesunde Ernährung in der Familie liefern. Auch das schulische Umfeld sollte dringend ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung fördern.“

Mathias Heikenwälder, Stoffwechselforscher am DKFZ, erklärt: „Zu den biologischen Vermittlern dafür, dass Übergewicht Krebs fördert, zählen beispielsweise Sexualhormone und Entzündungsbotenstoffe, die vom Fettgewebe produziert werden.“

Heute weiß man, dass Entzündungen ein Krebsbeschleuniger sind. Sexualhormone wirken auf viele Zellen als Wachstumsfaktoren, die das Krebswachstum antreiben. Darüber hinaus finden sich bei Übergewichtigen erhöhte Mengen des Wachstumsfaktors IGF („Insulin like growth factor“), der ebenfalls das Zellwachstum antreibt.

„Es ist schwer, dauerhaft abzunehmen“, sagt Rudolf Kaaks. „Mein persönlicher Tipp ist daher: Achten Sie darauf, dass sich die Pfunde gar nicht erst ansammeln. Achten Sie auch schon bei Ihren Kindern darauf. Das ist ein sinnvoller Beitrag zur Krebsprävention!“ (ad)

Autor:
Alfred Domke

Quellen:
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ): World Obesity Day 4. März: Adipositas – schwergewichtiger Krebsrisikofaktor, (Abruf: 01.03.2020), Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
  • S. B. Gribsholt, D. Cronin‐Fenton, K. Veres, R. W. Thomsen, A. G. Ording, B. Richelsen, H. T. Sørensen: Hospital‐diagnosed overweight and obesity related to cancer risk: a 40‐year Danish cohort study; in: Journal of Internal Medicine, (veröffentlicht: 07.01.2020), Journal of Internal Medicine
  • Behrens, Gundula; Gredner, Thomas; Stock, Christian; Leitzmann, Michael F.; Brenner, Hermann; Mons, Ute: Krebs durch Übergewicht, geringe körperliche Aktivität und ungesunde Ernährung; in: Deutsches Ärzteblatt, (Abruf: 01.03.2020), Deutsches Ärzteblatt
  • Lauby-Secretan B, Scoccianti C, Loomis D, Grosse Y, Bianchini F, Straif K; International Agency for Research on Cancer Handbook Working Group: Body Fatness and Cancer — Viewpoint of the IARC Working Group; in: New England Journal of Medicine, (veröffentlicht: 25.08.2016), New England Journal of Medicine
  • James Bentham et al.: Worldwide trends in body-mass index, underweight, overweight, and obesity from 1975 to 2016: a pooled analysis of 2416 population-based measurement studies in 128·9 million children, adolescents, and adults; in: The Lancet, (veröffentlicht: 10.10.2017), The Lancet

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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