Mobbing treibt übergewichtige Jugendliche zum Konsum von Alkohol und Drogen

Auswirkungen von gewichtsbezogenen Hänseleien

Wenn Jugendliche wegen ihres Gewichts oder ihrer Körperform schikaniert werden, erhöht sich dadurch das Risiko, dass sie anfangen Alkohol und Marihuana zu konsumieren. Die Verbindung zwischen Hänseleien und Drogenkonsum war bei übergewichtigen Mädchen am stärksten, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Bei der aktuellen Untersuchung der University of Connecticut wurde festgestellt, dass Hänseleien im Bezug auf die Körperform oder das Gewicht bei Jugendlichen das Risiko für Drogen- und Alkoholkonsum erhöhen. Die Ergebnisse der Studie wurden in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Psychology of Addictive Behaviors“ publiziert.

Mobbing kann schwere Folgen haben

Jugendliche lassen sich durch Hänseleien teilweise stark psychisch beeinflussen. Gerade Beleidigungen im Bezug auf das Gewicht und die Körperform scheinen die Jugendlichen besonders hart zu treffen. Solche Hänseleien können bei den betroffenen Personen das Risiko für den Konsum von Drogen und Alkohol erhöhen. Dieser Zusammenhang war besonders stark bei übergewichtigen Mädchen zu beobachten.

Auf das Gewicht bezogenes Mobbing kommt sehr häufig vor

Mobbing im Bezug auf das Gewicht oder die Körperform kommt sehr häufig vor und hat viele negative Auswirkungen für Jugendliche. Die Kombination von äußerlichen Hänseleien und die erhöhte Empfindlichkeit gegenüber dem Körperbild während der Pubertät (Adoleszenz) kann ein erhöhtes Risiko für den Gebrauch von verschiedenen Substanzen schaffen.

Die Gefahr durch Mobbing sollte nicht unterschätzt werden

Die Ergebnisse der Untersuchung werfen größere Fragen darüber auf, warum unsere Gesellschaft zu viel Wert auf Schönheit und das Körperbild von Mädchen und Frauen legt und welche schädlichen Auswirkungen dies haben kann. Wir sollten uns dieser Gefahren bewusst sein, um unsere Kinder vor den Gefahren von Drogenmissbrauch und Alkoholkonsum zu schützen, warnen die Forschenden.

Gegenmaßnahmen ergreifen

Schulen und Gemeinden sollten sich bei Maßnahmen zur Bekämpfung von Mobbing und Drogenkonsum speziell mit dem Erscheinungsbild von Hänseleien befassen, berichtet das Forschungsteam in einer Pressemitteilung. Besonders Eltern würden eine sehr wichtige Rolle bei der Behandlung dieses Problems spielen.

Viele Hänseleien treten im familiären Umfeld auf

Es gibt bereits Ergebnisse von Untersuchungen, die zeigen, dass einige der schlimmsten Mobbing-Beispiele von Eltern oder Geschwistern stammen. Familien sollten möglichst schonend und behutsam Probleme mit dem Gewicht ihrer Kinder besprechen, um negative Auswirkungen zu vermeiden, empfehlen die Forschenden.

Woher stammten die Daten?

Die aktuelle Untersuchung wurde im Connecticut Children’s Medical Center durchgeführt. Sie umfasste eine Umfrage unter 1.344 Jugendlichen im Alter von elf bis 14 Jahren aus fünf öffentlichen Mittelschulen in der Nähe von Hartford, Connecticut. Die Jugendlichen wurden befragt, ob Geschwister, Eltern oder Gleichaltrige sie in den letzten sechs Monaten über ihr Gewicht, ihre Körperform oder ihr Essen aufgezogen hatten.

Viele Teilnehmende berichteten über Mobbing

Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Teilnehmenden berichteten Hänseleien, die sich auf das Gewicht bezogen. Von solchem Mobbing waren auch Jungen und vor allem Mädchen betroffen, die gar nicht übergewichtig waren.

Hänseleien begünstigten Konsum von Drogen und Alkohol

Die Teilnehmenden wurden außerdem über ihren Konsum von Alkohol und Marihuana befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass häufige Hänseleien mit einem höheren Gesamtkonsum von Alkohol und Marihuana sowie mit vermehrten Rauschtrinken (Bingedrinking) in Verbindung stehen. Diese Verbindung blieb auch bei einer Folgeuntersuchung bestehen, die sechs Monate später durchgeführt wurde.

Jungen nehmen mehr, Mädchen fangen früher an

Frühere Forschung hat ergeben, dass Jungen im Teenageralter und im frühen Erwachsenenalter einen höheren Alkohol- und Drogenkonsum aufweisen, aber Mädchen beginnen damit in einem früheren Alter als Jungen. Diese Trends könnten mit dem gesellschaftlichen Druck zusammenhängen, der auf Mädchen ausgeübt wird, um unrealistischen Idealen des Körperbilds zu folgen.

Selbstwertgefühl von Mädchen ist empfindlich

Dies kann das Selbstwertgefühl von Mädchen beschädigen, zu Essstörungen und zur Selbstmedikation beitragen, indem sie anfangen Substanzen zu konsumieren, um mit den auftretenden Hänseleien besser zurechtzukommen oder sich anderen Jugendlichen in ihrem Alter anzupassen.

Gewicht bezogene Diskriminierung richtet großen Schaden an

Es ist ein Trugschluss anzunehmen, das Worte und Hänseleien keine ernsthaften Auswirkungen auf Jugendliche haben. Die Folgen von emotionalem Missbrauch und verbalem Mobbing sollten keineswegs ignoriert werden. Auf das Gewicht bezogene Diskriminierung scheint einer der häufigsten und scheinbar gesellschaftlich anerkanntesten Gründe zu sein, um Menschen zu schikanieren oder zu diskriminieren. Als Gesellschaft müssen wir uns mit dem dadurch verursachten Schaden, insbesondere bei Mädchen, befassen, resümieren die Forschenden. (as)

Autor:
Alexander Stindt

Quellen:
  • Melanie Klinck, Anna Vannucci, Tessa Fagle, Christine McCauley Ohannessian: Appearance-related teasing and substance use during early adolescence., in Psychology of Addictive Behaviors (Veröffentlicht 2020), Psychology of Addictive Behaviors
  • Weight-Based Bullying Linked to Increased Adolescent Alcohol, Marijuana Use, American Psychological Association (Veröffentlicht 25.02.2020), American Psychological Association

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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