Leistungssteigernde Medikamente im Job weit verbreitet

Hunderttausende Arbeitnehmer dopen sich am Arbeitsplatz

Laut einer neuen Studie greifen Hunderttausende Menschen in Deutschland zu Medikamenten, um im Beruf leistungsfähiger zu sein oder die Stimmung zu verbessern. Dieses Dopen kann gefährlich werden: Durch die Pillen kann es zu gesundheitlichen Schäden kommen.

Für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland hat die Belastung, der sie im Job ausgesetzt sind, in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Aus dem aktuellen Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK-Gesundheit geht hervor, dass Hunderttausende Berufstätige Medikamente nehmen, um am Arbeitsplatz leistungsfähiger zu sein.

Doping am Arbeitsplatz

Wie die Krankenkasse in einer Mitteilung schreibt, nehmen rund zwei Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Medikamente. Das geht aus der aktuellen DAK-Analyse „Update: Doping am Arbeitsplatz“ hervor.

Hochgerechnet auf die erwerbstätige Bevölkerung sind das etwa 700.000 Beschäftigte. Den Angaben zufolge nutzen viele Erwerbstätige die Arzneien auch, um nach der Arbeit noch Energie für Privates zu haben.

Gesunde Rahmenbedingungen im Job nötig

Für die repräsentative DAK-Studie wurde untersucht, ob und wie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne medizinische Notwendigkeit zu verschreibungspflichtigen Medikamenten greifen.

Fachleute nennen das pharmakologisches Neuro-Enhancement und rechnen dazu Substanzen wie beispielsweise Methylphenidat oder Fluoxetin. Für die Untersuchung wurden über 5.500 Berufstätige im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt.

Laut der Studie dopen sich aktuell und regelmäßig rund 700.000 Berufstätige (1,8 Prozent), um fitter für den Job zu sein. Damit ist Doping im Job heute annähernd so verbreitet wie im Jahr 2014 (1,9 Prozent).

Den Angaben zufolge wissen 71,5 Prozent der Beschäftigten zwischen 20 und 50 Jahren um die vermeintlichen Möglichkeiten des Hirndopings zur Leistungssteigerung. 2008 war Doping im Job noch weniger als jedem zweiten Berufstätigen dieser Altersgruppe (44,9 Prozent) bekannt.

„Der Medikamentenmissbrauch ist kein Massenphänomen“, so Andreas Storm, Vorsitzender des Vorstandes der DAK-Gesundheit. „Dennoch zeigt unsere Analyse, wie wichtig gesunde Rahmenbedingungen im Job sind. Arbeitsanforderungen dürfen Mitarbeiter nicht dazu verleiten, bessere Ergebnisse mithilfe von Medikamenten erzielen zu wollen.“

Medikamenteneinnahme bei Älteren stärker verbreitet

Der Krankenkasse zufolge gibt es bei den 60- bis 65-jährigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die höchste Verbreitung des pharmakologischen Neuro-Enhancement. 4,4 Prozent von ihnen haben demnach innerhalb der vergangenen Monate mindestens einmal gedopt. Das sind ein Drittel mehr als im Durchschnitt (3,3 Prozent).

Die „Dopingquote“ steigt insgesamt mit dem Alter an: So betreiben bei den 18- bis 29-jährigen Beschäftigten 2,5 Prozent mindestens einmal im Jahr Medikamentenmissbrauch für den Job, bei den 30- bis 49-jährigen sind es 3,2 Prozent.

Griff zur Pille, um nach der Arbeit noch Energie und gute Laune zu haben
Laut DAK-Studie dopen die meisten Erwerbstätigen, um berufliche Ziele besser zu erreichen. Dies gab jeder zweite „Doper“ an. Etwa jeder Dritte nennt als Grund, die Arbeit ginge mit den Arzneimitteln leichter von der Hand.

Mehr als jeder vierte dopende Beschäftigte (27,1 Prozent) greift zur Pille, um nach der Arbeit noch Energie und gute Laune für Privates zu haben.

Beim Blick auf die Geschlechter zeigen sich zum Teil Unterschiede bei den Gründen und Anlässen des Hirndopings: Jeder vierte dopende Mann glaubt, ohne die Medikamente oft emotional nicht in der Lage zu sein, die Arbeit zu erledigen.

Bei den dopenden Frauen ist es nur jede fünfte. Jeder fünfte Mann könnte ohne Doping im Beruf nicht mithalten. Bei den Frauen betrifft dies jede achte.

Gesundheitliche Schäden durch das Dopen

Professor Dr. Klaus Lieb, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz und Wissenschaftlicher Leiter des Leibniz-Instituts für Resilienzforschung, dämpft mit Blick auf die aktuelle DAK-Studie die Erwartungen an das Doping:

„Oft zeigen die Medikamente nur kurzfristige und minimale Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit.“

Vielmehr warnt der Experte vor gesundheitlichen Schäden durch das Dopen: „Schwindel, Kopfschmerzen, Nervosität und Schlafstörungen sind nicht selten. Darüber hinaus sind mögliche Langzeitfolgen noch völlig unklar“, erklärt Lieb.

„Gesünder dürfte es in jedem Fall sein, für seine psychische Gesundheit und Leistungsfähigkeit vorzusorgen, indem man seine eigene Resilienz stärkt. Wirksam sind dafür insbesondere die Förderung von sozialen Kontakten, Achtsamkeit, Umdenken und das aktive Herangehen an herausfordernde Situationen.“ (ad)

Autor:
Alfred Domke

Quellen:
  • DAK-Gesundheit: DAK-Studie: Doping im Job stagniert seit 2014, (Abruf: 23.02.2020), DAK-Gesundheit

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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