Karotte (Möhre, Daucus carota) – Wirkung und Rezepte

Karotten sind Zuchtformen des Doldenblütlers Daucus carota und wurden bereits in der Antike als gesundes Gemüse so geschätzt, dass sie sich von Westeuropa bis nach Ostasien in diversen Formen verbreiteten. Tatsächlich gehören Möhren mit ihrem Carotin, ihren Vitaminen und Mineralstoffen zu den gesündesten Gemüsesorten und eignen sich bestens, um das Immunsystem zu stärken und wesentliche Körperfunktionen zu unterstützen.

Inhaltsverzeichnis

Steckbrief zur Karotte

  • Wissenschaftlicher Name: Daucus carota
  • Volksnamen: Gartenmöhre, Möhre, Mohrrübe, Gelbrübe, Gelbe Rübe, Rüebli, Feldrüebli, Riebli, Wurzel
  • Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
  • Verbreitung: Global verbreitete Kulturform; Ursprungsformen stammen vom Mittelmeer (weiße Karotten) und aus Afghanistan (gelbe und rot-violette Varianten). Gekreuzt wurden diese Formen vermutlich in Kleinasien.
  • Verwendete Pflanzenteile: Die Rübe (Pfahlwurzel)
  • Anwendungsgebiete:

    • Stärkung des Immunsystems
    • Verdauungsprobleme
    • Zellwachstum
    • Blutbildung
    • Stabilisierung der Magensäfte
    • Diuretikum

Karotten – Ein Überblick

  • Rohe Möhren sättigen mehr als gekochte.
  • Der Hauptwirkstoff in Mohrrüben ist das Provitamin A (Carotin), von dem die Karotte ihren Namen hat.
  • Dieses Alpha- und Beta-Carotin ist fettlöslich und entfaltet seine Wirkung im Körper am besten, wenn Sie die Möhren mit Öl zu sich nehmen, erhitzen und klein schneiden.
  • Vitamin A fördert die Nachtsicht, umgekehrt kann chronischer Vitamin-A-Mangel zur Erblindung führen. Karotte ist trotz des Provitamins A nur bedingt geeignet, die Sehfähigkeit zu stärken oder einem Vitamin-A-Mangel entgegenzuwirken, da mindestens ein Dutzend Provitaminmoleküle nötig sind, um ein Vitaminmolekül zu bilden.
  • Karottensuppe ist ein bewährtes Hausmittel gegen Durchfall.
  • Möhren können das Immunsystem stärken (Vitamin C), eine glatte und gesunde Haut (Vitamin E) und die Blutbildung fördern und Blutarmut vorbeugen (Eisen).
  • Studien zeigen, dass Karotten tendenziell Effekte in der Krebsprävention haben.
  • Mohrrüben haben wenig Kalorien sowie viele Vitalstoffe und eignen sich deshalb bestens, um abzunehmen, ohne einen Nährstoffmangel zu entwickeln.

Inhaltsstoffe

Möhren sind ein sehr gesundes Nahrungsmittel, dabei befinden sich die meisten Inhaltsstoffe in der Wurzelrinde. Hier ist weit mehr Carotin und Nitrat vorhanden als im Mark. Die orangene, hell- oder dunkelrote bis violette Färbung hängt von der Sorte und der Witterung ab, Farbstoffe sind Carotinoide, Anthocyane und Chlorophyll.

Der Carotingehalt, das Provitamin A, nach dem die Karotte benannt ist, ist der höchste, den es bei Gemüse gibt – bis zu 30 Milligramm pro 100 Gramm frischer Wurzel. An Fruchtsäuren enthält Möhre Citronensäure, Chinasäure, Bernsteinsäure und Fumarsäure.

Neben Provitamin A in Form von Alpha-Carotin und Beta-Carotin bieten Karotten Vitamin B1, B2 und B6, Vitamin C in hohem Ausmaß (stärkt die Immunabwehr), außerdem Vitamin E (stärkt Haut und Haare sowie das Bindegewebe und bekämpft freie Radikale).

Vitamin A fördert das Sehvermögen, die Immunabwehr und das Zellwachstum. Es hilft dem Auge, Licht in ein Signal, das an das Gehirn übermittelt wird, zu konvertieren und hilft Menschen so, bei schwachem Licht zu sehen. Umgekehrt schwindet diese Fähigkeit bei einem Mangel an Vitamin A. An Mineralstoffen finden sich in der Mohrrübe Calcium, Eisen, Magnesium, Phosphor, Kalium und Zink.

Karotte Kalorien

Karotten sind mit einem Brennwert von 26 kcal pro 100 Gramm sehr kalorienarm. 100 Gramm enthalten 0,2 Gramm Fett, ein Gramm Eiweiß, 4,8 Gramm Kohlenhydrate und 3,6 Gramm Ballaststoffe.

Karotten – Wirkungen

Möhren sind im Rahmen einer vollwertigen Ernährung besonders wegen des hohen Gehalts an Vitamin C, Carotin, Eisen und Kalium interessant. Ihre Eigenschaften zeigen sich vor allem beim Abnehmen und bei Kleinkindern.

Bei Kindern fördern Karotten das Bilden von Blut und Zähnen und die körpereigene Immunabwehr. Für Kleinkinder eignen sie sich, um Verdauungsstörungen zu beheben: Karotten haben wegen ihres hohen Pektin-Gehalts eine mäßig stopfende Wirkung, die aber nicht so stark ist, um eine Verstopfung auszulösen. Die ätherischen Öle bekämpfen zudem Bakterien und wirken so auch gegen leichtere Infektionen im Magen.

In Form eines gesunden Nahrungsmittels (nicht als Medikament) beugen Mohrrüben durch Eisenmangel bedingter Blutarmut vor, helfen gegen Durchfall, innere Entzündungen, unterstützen die Leber und das Immunsystem. Traditionell gelten Karotten als Mittel, um die Milchproduktion von Stillenden anzuregen und die Menstruation auszulösen.

Vitamin A

Das Carotin, Provitamin A, ist der bekannteste bioaktive Stoff der Karotte. Die Volksweisheit, dass Möhren gut für das Sehvermögen sind, gilt für Vitamin A auch umgekehrt: Bis zu 500.000 Kinder erblinden weltweit jährlich infolge eines Mangels an Vitamin A, besonders betroffen sind Menschen in Ländern wie Nepal oder Indien.

Unklar ist, wie viele Karotten jemand essen müsste, um seine Nachtsicht effektiv zu verstärken. Die Gefahr einer Überdosierung besteht jedenfalls kaum, denn diese tritt bei Vitamin A erst bei einer langfristig fünffach überhöhten Dosis auf – und bei Nahrungsmitteln lässt sich das fast nur durch Leber und Lebertran erreichen. Zudem ist Carotin Provitamin A, also eine Vorstufe, und es braucht circa 12 bis 21 Beta-Carotin-Moleküle, um ein einziges Vitamin-A-Molekül zu erzeugen.

Wer unter einem Mangel an Vitamin A leidet, sollte folglich auf Vitamin-A-Präparate zurückgreifen, statt kiloweise Karotten zu verschlingen. Um die Funktionen der Augen durch Ernährung zu stützen, raten Ärztinnen und Ärzte besonders zu grünem Blattgemüse wie Grünkohl oder Spinat, das Lutein und Zeaxanthin enthält.

Krebs

Carotinoide in der Nahrung haben Antikrebs-Effekte, bedingt durch ihre antioxidative Wirkung reduzieren sie freie Radikale im Körper. Eine Metaanalyse aus Baltimore (2018) kam zu dem Schluss, dass durch den regelmäßigen Verzehr von Karotten das Risiko für eine Brustkrebs-Erkrankung gesenkt werden kann.

Carotin kann auch das Risiko reduzieren, an Lungenkrebs zu erkranken, so lautet das Ergebnis einer weiteren Metastudie. Dies gilt demnach besonders für Adenokarzinome, aber nur bei hoher Zufuhr verschiedener Carotine, während ein individuelles Carotin wie Beta-Carotin diesen Effekt nicht hatte. Eine Nahrungsergänzung mit isoliertem Beta-Carotin sollte im Gegenteil das Risiko von Lungenkrebs bei Rauchern sogar verstärken.

Möhren in der Volksmedizin

Karotten sind keine Medikamente, sondern Nahrung. Zugleich ist die Möhre durchaus eine Heilpflanze, denn gegen viele Krankheiten ist eine ausgewogene Ernährung die „beste Medizin“. Ihre Stoffe unterstützen den Körper beim Funktionieren und in seinen körpereigenen Abwehrsystemen, bekämpfen aber nicht „punktgenau“ bestehende Erkrankungen.

Rohe geraspelte Karotte eignet sich für einen Umschlag, um Verbrennungen zu lindern, und sorgt für einen beruhigenden Effekt. Das gilt auch für Insektenstiche und (andere) Hautentzündungen. Rohe Karotten waren außerdem ein Hausmittel gegen Würmer bei Kindern.

Ein Tee aus Karottensamen (ein Teelöffel pro Tasse kochendem Wasser) ist ein traditionelles Mittel, um den Harn zu treiben, den Appetit zu stimulieren, Koliken zu beruhigen und Menstruationskrämpfe zu lindern. Tee-Aufgüsse aus blühendem Möhrenkraut sollen Abhilfe bei Wassersucht leisten.

Eine Mohrrübe direkt nach dem Essen gründlich zu kauen und durch die Zähne zu ziehen, ist eine bewährte (und einfache) Methode, Keime zu entfernen, die Zähne zu säubern und Essensreste zu beseitigen. So lässt sich durch Keime verursachtem Zahnfleischbluten ebenso vorbeugen wie Zahnverfall.

Möhrensuppe

Karottensuppe hilft gegen Durchfall, auch bei Kleinkindern. Für diese schneiden Sie Möhren nach Bedarf klein oder raspeln sie und kochen sie in Gemüsebrühe. Kleine Kinder mögen die Möhrensuppe oft am liebsten püriert.

Eine Karottensuppe lässt sich auf vielfältige Art ergänzen – mit ebenfalls vitamin- und mineralstoffreichen Gemüse wie Kürbis, Kartoffeln, Zucchini, Grün-, Weiß- oder Rosenkohl, mit Erbsen oder Linsen.

Möhreneintopf

Der Übergang von einer Möhrensuppe zu einem Möhreneintopf ist fließend, der Unterschied besteht lediglich darin, dass der Eintopf mehr Zutaten enthält und „schwerer“ ist. Oft besteht die Würzbasis in Zwiebeln, die in Butter angebraten werden. Das kommt auch den Möhren zugute, deren Carotin so besser vom Körper umgesetzt werden kann.

In Deutschland und den Nachbarländern gehört meist Speck, Hackfleisch oder Würstchen dazu – wir sprechen dann von „deftigem Eintopf“. Für die fettarme Küche und für Vegetarier eignet sich solche Hausmannskost wenig, und das Fleisch ist auch nicht nötig, um ein leckeres Möhrengericht zu zaubern.

Sie können aus einer Vielzahl von Möhreneintopfrezepten wählen, wichtig für Selbstversuche sind indessen Grundharmonien. Karotte verträgt sich bestens mit

  • Erbsen,
  • Linsen,
  • Bohnen,
  • Porree (Lauch),
  • Frühlingszwiebeln,
  • Schnittlauch,
  • Bärlauch,
  • Knoblauch,
  • Zwiebeln
  • und Schalotten.

Als Würze und Gemüse zugleich passt auch Sellerie (klassische Gemüsebasis einer Suppe sind Karotte, Lauch, Sellerie und Petersilie). Die Mohrrübe harmoniert mit Kartoffeln, Graupen, Reis und Nudeln, mit Couscous und Getreide. Zudem passt sie sehr gut zu anderen Wurzelgemüsen wie Steckrüben oder Petersilienwurzeln. Möhren vertragen sich ausgezeichnet mit Kürbis und ein solcher Eintopf hat auch noch eine ansprechend orange Farbe.

Um den Eintopf zu würzen, eignen sich

  • Salz,
  • schwarzer Pfeffer,
  • Cayennepfeffer,
  • Muskatnuss,
  • Liebstöckl (Suppenkraut),
  • frisches Basilikum,
  • Oregano
  • und Thymian.

Mit diesen Kräutern und Gewürzen fügen Sie zusätzlich eine Reihe bioaktiver Wirkstoffe hinzu. Auch eine Prise Zucker macht sich vorzüglich, wenn Sie die Möhren darin anbraten. Das gefällt besonders Kindern. Möchten Sie dem Eintopf einen orientalischen Touch geben, bieten sich Kreuzkümmel, Schwarzkümmel und Kurkuma als Würzmittel an.

Fett und Carotin

Carotin gehört zu den fettlöslichen Stoffen. Damit ihr Körper das Provitamin aufnehmen kann, sollten Sie Möhren immer mit ein wenig Fett zu sich nehmen. Die Aufnahme des Carotins verbessern Sie zusätzlich, wenn Sie die Karotten zerkleinern und kochen.

Karottensalat

Möhren passen in viele Rohkostsalate. Achten Sie darauf, dass sich im Dressing Öl befindet oder träufeln Sie extra Öl auf die Karotten, damit sich das Carotin im Körper entfaltet.

Möhrensalat mit Apfel – Rezept für zwei Personen:

  1. Geben Sie zwei Esslöffel Rapsöl, drei Esslöffel frisch gepressten Zitronensaft und vier Esslöffel Apfelsaft in ein Gefäß beziehungsweise Schüttelglas.
  2. Vermengen Sie die Zutaten und schmecken Sie das Dressing mit Jodsalz und Pfeffer ab.
  3. Waschen und schälen Sie zwei große Karotten.
  4. Waschen Sie zwei Äpfel und tupfen Sie diese trocken.
  5. Nun werden die Karotten und die Äpfel (mit Schale, aber ohne Kerngehäuse) mithilfe einer Küchenreibe grob geraspelt.
  6. Vermengen Sie anschließend die Möhren- und Apfelraspel zügig in einer Schüssel mit dem Dressing, damit der Apfel nicht braun wird.

Reichhaltiger ist ein Salat aus roten Bohnen, Paprika, Zwiebeln und Karottenscheiben. Dazu passt ein Dressing aus Öl, Essig, Knoblauch, Chili und mediterranen Kräutern. Wenn Sie mögen, ist Schafskäse eine leckere Ergänzung. Ein solcher Salat sättigt schnell, ist reich an Ballaststoffen, fördert so die Verdauung und enthält viele Vitamine und Mineralstoffe.

Karottenkuchen

Karotte ist so vielseitig, dass sie sogar im Kuchen schmeckt. Viele Kuchenrezepte enthalten geriebene Möhren, Vollkornmehl, Apfelstücke und Orangensaft sowie geriebene Nüsse oder Sonnenblumenkerne.

Mohrrüben lagern

Möhren halten sich nicht lange. Frisch gekauft welken die Blätter nach wenigen Tagen, die Wurzeln werden gummiweich statt knackig und laufen dunkel an. Im Gemüsefach des Kühlschranks halten sie bis zu zehn Tage.

Tipp: Schneiden Sie das grüne Kraut von den Bundmöhren ab und wickeln Sie diese in ein feuchtes Tuch ein. Um Mohrrüben ständig zur Verfügung zu haben, können Sie das frische Gemüse blanchieren und einfrieren. Dabei bleiben die wichtigsten Nährstoffe erhalten. (Dr. Utz Anhalt)

Autor:
Dr. phil. Utz Anhalt

Quellen:
  • Biesalski, Hans Konrad; Grimm, Peter; Nowitzki-Grimm, Susanne: Taschenatlas Ernährung, Thieme, 2017
  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL): Aufgetischt! Wegweiser für Ernährung, Einkauf und Lebensmittel (Abruf: 18.3.2020), BMEL
  • Khomich, L.M.; Perova, I.B.; Eller, K.I.: Carrot juice nutritional profile, in: Voprosy pitanija, 89(1): 86-95, Januar 2020, PubMed
  • Chen, Haichao; Shao, Faming et al.: Association between dietary carrot intake and breast cancer: A meta-analysis, in: Medicine, 97(37): e12164, September 2018, PMC
  • Hongbin, Xu; Jiang, Heng; Yang, Wei et al.: Is carrot consumption associated with a decreased risk of lung cancer? A meta-analysis of observational studies, in: The British Journal of Nutrition, 122/5: 488-498, September 2019, Cambridge University Press
  • Fallahzadeh, Hossein; Jalali, Ali; Momayyezi, Mahdieh; Bazm, Soheila: Effect of Carrot Intake in the Prevention of Gastric Cancer: A Meta-Analysis, in: Journal of Gastric Cancer, 15(4): 256-261, Dezember 2015, JGC
  • Lee, Hye-Jin; Park, Yoo Kyoung; Kang, Myung-Hee: The effect of carrot juice, β-carotene supplementation on lymphocyte DNA damage, erythrocyte antioxidant enzymes and plasma lipid profiles in Korean smoker, in: Nutrition Research and Practice, 5(6): 540-547, Dezember 2011, NRP
  • Morris, Jay; Hawthorne, Keli M.; Hotze, Tim et al.: Nutritional impact of elevated calcium transport activity in carrots, in: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 105(5): 1431-1435, Februar 2008, PNAS

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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