Ende für private Krankenkassen würde GKV-Beiträge massiv reduzieren

Abschaffung der Privatkassen würde gesetzlich Versicherte massiv entlasten

Schon seit Jahren wird über die Abschaffung der privaten Krankenversicherung in Deutschland diskutiert. Vor allem wird kritisiert, dass das duales System sozial ungerecht ist. Doch nicht nur das: Laut einer neuen Studie könnten die Beiträge deutlich sinken, wenn alle gesetzlich versichert wären.

Fachleuten zufolge sind neun von zehn Deutschen gesetzlich versichert. Wenn auch der Rest der Bundesbürger in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wäre, könnten die Beiträge laut einer neuen Studie spürbar sinken. In Europa gibt es nur in Deutschland ein duales System auch mit Privatkassen.

Finanzielles Plus von rund neun Milliarden Euro

Eine Studie des Berliner IGES Instituts in Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) jährlich ein finanzielles Plus in Höhe von rund neun Milliarden Euro erzielen würde, wenn alle Bundesbürger gesetzlich versichert wären.

Wie die Stiftung in einer Mitteilung erklärt, könnte der Beitragssatz entsprechend je nach Szenario um 0,6 bis 0,2 Prozentpunkte sinken.

Zudem würde dies auch den sozialen Zusammenhalt stärken.

Pro Jahr durchschnittlich 145 Euro an Beiträgen sparen

Im Rahmen der Studie wurde simuliert, wie sich Einnahmen und Ausgaben der GKV entwickeln würden, wenn alle bisher privat Versicherten in die Gesetzliche Krankenversicherung einbezogen wären.

Jedes derzeit in der GKV versicherte Mitglied und sein Arbeitgeber könnten demnach zusammen pro Jahr durchschnittlich 145 Euro an Beiträgen sparen, wenn auch Gutverdiener, Beamte und einkommensstarke Selbstständige am Solidarausgleich der GKV teilnähmen.

Würden die durch den Wegfall der Privaten Krankenversicherung (PKV) anfallenden Honorarverluste der Ärzte ausgeglichen, wären es 48 Euro jährlich.

Solidarausgleich in der Sozialversicherung

Wie die Bertelsmann Stiftung erläutert, kämen diese Verbesserungen für die GKV-Mitglieder aufgrund des in doppelter Hinsicht günstigeren Risikoprofils der Privatversicherten zustande: Zum einen verdienen diese im Durchschnitt 56 Prozent mehr als gesetzlich Versicherte und tragen somit zu einem deutlich höheren Beitragsaufkommen bei.

Und zum anderen sind Privatversicherte auch gesünder: Unter ihnen ist der Anteil mit mindestens einem Krankenhausaufenthalt pro Jahr mit 17 Prozent deutlich geringer als bei GKV-Versicherten (23 Prozent).

Den Angaben zufolge finden sich Menschen mit chronischen Erkrankungen, Behinderungen oder Pflegebedürftigkeit unter gesetzlich Versicherten wesentlich häufiger als bei Privatversicherten. Und auch die subjektive Wahrnehmung der eigenen körperlichen und psychischen Gesundheit fällt bei Privatversicherten eindeutig positiver aus.

Der Solidarausgleich in der Sozialversicherung setzt demgegenüber eine möglichst breite Mischung von Risiken und Leistungsfähigkeit voraus.

Sozialer Zusammenhalt wird geschwächt

„Nur wenn sich alle Versicherten unabhängig vom Einkommen zusammentun, um die Risiken zwischen Gesunden und Kranken auszugleichen, kann eine tragfähige Solidargemeinschaft entstehen“, betont Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung.

„Die Aufspaltung der Krankenversicherung in einen gesetzlichen und einen privaten Zweig wird diesem Solidaranspruch nicht gerecht und schwächt den sozialen Zusammenhalt.“

Die Mehrheit der Bürger befürwortet daher laut aktuellen Umfragen eine integrierte Krankenversicherung ohne Aufspaltung nach Einkommens- oder Berufsgruppen.

Gutverdiener und Beamte können sich dem Solidarausgleich entziehen

„Der durchschnittliche GKV-Versicherte zahlt jedes Jahr mehr als nötig, damit sich Gutverdiener, Beamte und Selbstständige dem Solidarausgleich entziehen können“, so Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte bei der Bertelsmann Stiftung.

„Das ist der Preis dafür, dass sich Deutschland als einziges Land in Europa ein duales Krankenversicherungssystem leistet.“

Etgeton zufolge verschärfe sich das Missverhältnis noch dadurch, dass zuletzt wieder mehr Versicherte von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung gewechselt seien, als umgekehrt. (ad)

Autor:
Alfred Domke

Quellen:
  • Bertelsmann Stiftung: Duales System kostet die Gesetzliche Krankenversicherung bis zu 145 Euro je Mitglied pro Jahr, (Abruf: 17.02.2020), Bertelsmann Stiftung

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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