Covid-19-Zuwachsrate hat sich in Deutschland halbiert

Erste Erfolge der drastischen Maßnahmen?

Ein deutsches Forschungsteam werte die neusten Daten zu dem Wachstum der Neuinfektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 aus. Dabei zeigte sich, dass seit Freitag, dem 20. März 2020 die Rate der COVID-19-Neuerkrankungen deutlich zurückgegangen ist.

Forschende der Johannes Gutenberg-Universität Mainz analysierten die Fallzahlen der COVID-19-Neuerkrankungen der letzten Wochen. Während vor dem 20.03.2020 ein durchschnittliches Wachstum an Neuerkrankungen von 27 Prozent vorlag, sank das Wachstum der Neuerkrankungen seit dem 20. März auf durchschnittlich 14 Prozent pro Tag. Das Team sieht die drastischen Maßnahmen der Bundesregierung als Grund für die Senkung der Wachstumsrate.

Marktforschungsmethoden umgewandelt

Wirtschaftswissenschaftlerinnen und -wissensschaftler erkennen nach der Auswertung von Johns Hopkins-Daten einen deutlichen Effekt der Maßnahmen zur Reduzierung sozialer Kontakte. Das Team wendete eine statistische Methode, die üblicherweise in der Arbeitsmarktforschung benutzt wird, auf die von der Johns Hopkins University veröffentlichten Zahlen zur Verbreitung von Covid-19 an. So erkannten die Marktforschenden, dass sich die Zuwachsrate der durch das Coronavirus SARS-CoV-2 verursachten Covid-19-Erkrankungen in Deutschland fast halbiert hat.

Keine Entwarnung

Nach Verzögerungen, die durch die Inkubationszeit sowie durch die Dauer bis zum Gang zum Arzt und die Übermittlung eventueller Testergebnisse bedingt sind, zeigen sich dem Forschungsteam zufolge nun die ersten Auswirkungen auf die Ausbreitung. Doch Anlass zur Entwarnung gebe es noch nicht. „Auch eine Zuwachsrate von 14 Prozent ist ein Grund zur Sorge“, erläutert Volkswirtschaftler Professor Dr. Klaus Wälde. „Aber die Eindämmungsmaßnahmen haben offenbar den Fortgang der Corona-Epidemie bereits deutlich verlangsamt“, so der Professor. Es sei gut möglich, dass wir in den kommenden Tagen noch weitere Auswirkungen sehen werden.

RKI oder Johns Hopkins – Welche Daten sind genauer?

Die Daten des Robert Koch-Instituts sowie die Daten der Johns Hopkins University werden in Deutschland häufig zur Bewertung der aktuellen Covid-19-Situation herangezogen. Das Forschungsteam entschied sich, die Daten der Johns Hopkins University zu nutzen. Während das Robert Koch-Institut nur die Daten der Gesundheitsämter in Deutschland sammelt, verwendet die Johns Hopkins University Daten aus mehreren Quellen. Diese seien möglicherweise nicht ganz so verlässlich, wie die Daten des RKI, dafür aber aktueller.

Einschränkungen der Analyse

„Unsicherheit, wie gut die Datenquellen die Realität beschreiben, besteht in jedem Fall“, betont Wälde. Dennoch sei so gut wie ausgeschlossen, dass die beobachtete Trendabflachung nicht der Wirklichkeit entspreche. „Aufgrund der dauerhaft starken Abnahme der Zuwachsraten beträgt die statistische Sicherheit unserer Ergebnisse mehr als 99,9 Prozent“, unterstreicht der Volkswirtschaftsprofessor. Abweichungen oder Zufallseinflüsse, die solch eine Abflachung hervorrufen, seien nicht denkbar. Auch Faktoren wie verfügbare Testkapazitäten oder Messfehler fielen kaum ins Gewicht. (vb)

Autor:
Diplom-Redakteur (FH) Volker Blasek

Quellen:
  • Johannes Gutenberg-Universität Mainz: Zuwachsrate der Covid-19-Erkrankungen in Deutschland seit vergangenem Freitag fast halbiert (veröffentlicht: 26.03.2020), uni-mainz.de

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

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